Article published In: Bochumer Philosophisches Jahrbuch für Antike und Mittelalter: Band 26
Herausgegeben von Manuel Baumbach und Olaf Pluta
[Bochumer Philosophisches Jahrbuch für Antike und Mittelalter 26] 2023
► pp. 1–19
Beiträge
Eine neue Perspektive auf Platons Kritik des ‚demokratischen Menschen‘
Article language: German
Published online: 24 April 2025
https://doi.org/10.1075/bpjam.00101.pro
https://doi.org/10.1075/bpjam.00101.pro
Abstrakt
Der Artikel wirft einen neuen Blick auf die Frage, was das zentrale Übel des demokratischen Menschen in Platons Politeia darstellt. Zunächst wird gezeigt, dass die Ursache für die vielfältigen Interpretationsansätze in der Unklarheit darüber begründet liegt, welcher Seelenteil die Seele des demokratischen Menschen beherrscht. Dann werden die drei gängigsten Theorien hierzu kritisch untersucht, konkret die Theorie, dass (1) der demokratische Mensch von seinen nicht notwendigen Begierden beherrscht wird, (2) Anarchie in seiner Seele herrscht, (3) seine seelische Einheit sich aus Zwang statt Harmonie ergibt. Es wird aufgezeigt, dass keine dieser Theorien — für sich allein betrachtet — vollumfängliche Korrektheit beanspruchen kann. Anschließend wird eine neue Perspektive auf Platons Kritik am demokratischen Menschen vorgeschlagen, nach der die Freiheit — das zentrale Charakteristikum des demokratischen Menschen — als eine nicht notwendige Begierde betrachtet werden sollte. Hierdurch werden die Gemeinsamkeiten der drei bisherigen Theorien deutlich und können miteinander verbunden werden.
Abstract
This paper takes a fresh look at the question of what constitutes the main flaw of the democratic man in Plato’s Politeia. First, it will be shown that the reason for the various interpretations lies in the lack of clarity about which part of the soul dominates the soul of the democratic man as a whole. Then the three most common theories on this are critically examined, specifically the theory that (1) the democratic man is being ruled by his unnecessary desires, (2) anarchy reigns in his soul, (3) his mental unity is based on coercion. It is shown that none of these theories, taken individually, can claim complete correctness. A new perspective on Plato’s critique of the democratic man is then proposed, according to which freedom — the central characteristic of the democratic man — should be regarded as an unnecessary desire. This makes the similarities of the three existing theories clear, so that they can be connected with each other.
Article outline
- 1.Das Grundproblem in Bezug auf den ‚demokratischen Menschen‘
- 2.Die Herrschaft der nicht notwendigen Begierden
- 3.Anarchie in der Seele
- 4.Seelische Einheit durch Zwang
- 5.Eine neue Perspektive: die Freiheit als nicht notwendige Begierde
- 6.Schlussbetrachtung
- Notizen
