Darstellung von ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen
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ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen als fiktionale Figuren in Literatur und Film haben seit den 1980er Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Dass die Beliebtheit dieses Motivs seit dem Einsetzen der Globalisierung ( Globalization and translation ) kontinuierlich gestiegen ist, ist sicher kein Zufall, denn Literatur entsteht nie außerhalb der Gesellschaft, sondern reagiert immer flexibel auf gesellschaftliche Entwicklungen, Veränderungen und Umbrüche. Allerdings haben Literatur und Film Translation nicht erst in letzter Zeit als Thema und Motiv entdeckt. Zum Beispiel wurde die Rolle von ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen schon in der Literatur der Bibel erwähnt (z. B. in der Josefsgeschichte in Genesis 41–42). Außerdem wurde im 12. Jahrhundert das Dolmetschen ( Interpreting ) als literarisches Motiv in der epischen Dichtung ( Poetry translation ) verwendet (vgl. Wiech 1951). Und seitdem in Miguel de Cervantes’ Don Quijote (1605), der oft als erster moderner Roman bezeichnet wird, mit einer fiktionalen Übersetzung und einem fiktionalen Übersetzer gespielt wurde, ist dieses Motiv ein fester Bestandteil von literarischen Werken. Auch der Film hat sich sehr früh mit diesem Thema beschäftigt. The Dragoman des Briten Edward Sloman aus dem Jahr 1916 oder die frühe Verfilmung von Arthur Conan Doyles The Greek Interpreter durch den Regisseur George Ridgwell aus dem Jahr 1922 zeigen, dass das narrative Potenzial des Dolmetschens bereits in Stummfilmen erkannt wurde.